Die Arbeiterkammer (AK) und der Gewerkschaftsbund (ÖGB) fordern von der österreichischen Regierung die Einführung eines Bonus-Malus-Systems. Dieses Modell soll Unternehmen, die eine zu geringe Anzahl älterer Arbeitnehmer beschäftigen, finanziell bestrafen. Im Gegenzug sollen Betriebe, die die festgelegten Zielquoten übererfüllen, belohnt werden. Die Initiative zielt darauf ab, strukturelle Hürden auf dem Arbeitsmarkt für ältere Menschen abzubauen.
AK-Präsidentin Renate Anderl und ÖGB-Chef Wolfgang Katzian berufen sich dabei explizit auf das bestehende Koalitionsprogramm der Regierung. In diesem Programm ist bereits ein Anreizsystem für die Beschäftigung älterer Mitarbeiter vorgesehen, das nun konkret umgesetzt werden soll. Die Forderung reagiert auf die prekäre Lage vieler Erwerbstätiger kurz vor dem Pensionsantritt.
Die wirtschaftlichen Auswirkungen des am Montag vorgestellten Modells wären erheblich. Nach Berechnungen von AK und ÖGB müssten rund 10.000 Betriebe jährlich insgesamt 266 Millionen Euro zahlen. Diese Mittel würden genutzt, um die Beschäftigungsquote in der älteren Altersgruppe durch finanzielle Anreize und Sanktionen zu steuern.
Die Dringlichkeit der Maßnahme unterstreicht Renate Anderl mit dem Hinweis, dass jeder Dritte nach einer Phase der Arbeitslosigkeit direkt in Pension geht. Sie warnte deutlich: "Wer mit 60 keinen Job hat, hat ihn mit 67 auch nicht". Damit verdeutlicht die AK-Präsidentin das Risiko einer dauerhaften Ausgrenzung aus dem Arbeitsmarkt vor Erreichen des Pensionsalters.

