Künstliche Intelligenz ist in der österreichischen Schullandschaft nahezu allgegenwärtig geworden. Eine aktuelle Erhebung des Nachhilfeinstituts Lernquadrat, bei der zwischen Juni und Oktober 1.045 Schüler im Alter von elf bis 20 Jahren online befragt wurden, zeigt eine extrem hohe Nutzungsrate. Lediglich neun Prozent der Elf- bis 14-Jährigen und nur drei Prozent der 15- bis 20-Jährigen verzichten vollständig auf KI-Tools für den Unterricht. Bei den älteren Schülern nutzen mehr als drei Viertel die Technologie täglich oder mehrfach wöchentlich, während dies bei den elf- bis 14-Jährigen auf die Hälfte zutrifft.
Besonders auffällig ist die Korrelation zwischen schulischen Leistungen und der Nutzungshäufigkeit. Selbst ernannte schlechte Schüler greifen mit 24 Prozent doppelt so häufig mehrmals täglich zur KI wie der Gesamtdurchschnitt. Diese Trends decken sich mit der PISA-Studie der OECD unter 7.000 österreichischen Jugendlichen, wonach nur elf Prozent KI-Chatbots nie oder fast nie nutzen. Im internationalen Vergleich liegt Österreich deutlich vor Spitzenländern wie Japan oder Irland, wo 39 Prozent bzw. 28 Prozent der Jugendlichen auf KI verzichten.
Die Einsatzgebiete der KI sind vielfältig, wobei ChatGPT als dominantes Werkzeug gilt. Rund zwei Drittel der Befragten nutzen die Technik als Lern- und Erklärhilfe für Tests, Schularbeiten oder komplexe Themen. Etwa die Hälfte setzt KI zur Recherche oder Lösungskontrolle ein, während über ein Drittel die Tools für das Erstellen kompletter Hausübungen, Referate oder Präsentationen nutzt. Am häufigsten wird die Unterstützung in Mathematik (47 Prozent), Naturwissenschaften (43 Prozent) und Deutsch (41 Prozent) in Anspruch genommen.
Trotz der weiten Verbreitung ist das Unrechtsbewusstsein bei den Jugendlichen ausgeprägt. Nur vier Prozent halten die KI-Nutzung grundsätzlich nicht für Schummeln; bei schlechten Schülern liegt dieser Wert bei zehn Prozent. 36 Prozent werten die Übernahme ganzer Aufgaben als Betrug, während 25 Prozent dies tun, wenn Lösungen nicht verstanden werden, und 15 Prozent bei künstlich verfassten Texten. Um Entdeckungen zu vermeiden, bearbeiten rund die Hälfte der Nutzer die Antworten oft oder sehr oft, damit sie authentischer wirken.
Die Überwachungsmechanismen der Lehrkräfte scheinen hingegen lückenhaft zu sein. Ein Drittel der Schüler gibt an, dass Lehrer nicht erkennen können, ob Aufgaben mit KI erstellt wurden, während ein weiteres Drittel dies als selten einstuft. Lediglich neun Prozent glauben, dass Lehrkräfte KI-Inhalte sicher von Eigenleistungen unterscheiden können. Dies spiegelt sich in den geringen Sanktionen wider: Nur 22 Prozent der befragten Schüler gaben an, dass es aufgrund der KI-Nutzung bereits Konsequenzen für sie gab.


