Während die Stromnetzentgelte im österreichischen Durchschnitt im kommenden Jahr um 3,6 Prozent sinken, steht das Bundesland Kärnten vor einer deutlichen Preiserhöhung. Die Gebühren steigen dort um 9,6 Prozent und erreichen einen Wert von 13,60 Cent pro kWh. Damit verzeichnet Kärnten die höchsten Netzentgelte in ganz Österreich, während in Niederösterreich die Kosten mit einem Minus von 12,0 Prozent am stärksten zurückgehen.
Eva Tatschl-Unterberger, Geschäftsführerin der Kärnten Netz, führt die Entwicklung auf ein extrem trockenes Jahr zurück. Der fehlende Regen habe die lokale Stromproduktion negativ beeinflusst, sodass Energie aus anderen Bundesländern zugekauft und eingespeist werden musste. Tatschl-Unterberger räumte im Gespräch mit der „Krone“ ein, dass die Eigenerzeugung entgegen der bisherigen Annahme nicht krisensicher sei.
Neben der Witterung treiben weitere Faktoren die Kosten in die Höhe. Laut Tatschl-Unterberger tragen insbesondere neue Investitionen sowie die zunehmende Selbstversorgung durch private Photovoltaik-Anlagen zur Steigerung der Netzkosten bei. Diese Kombination aus externen Umweltfaktoren und infrastrukturellen Anpassungen führt zu dem prognostizierten Plus von rund 9,6 Prozent für das nächste Jahr.
Die Preissteigerung stößt auf heftigen politischen Widerstand. Gerhard Köfer, Chef von Team Kärnten (TK), fordert ein Eingreifen der Landesregierung und betont, dass Kärntner aufgrund niedriger Kaufkraft keine „Bürger zweiter Klasse“ sein dürften. Auch Wirtschafts- und Energielandesrat Sebastian Schuschnig kritisiert die Situation und verweist auf den Beitrag Kärntens zur Stromversorgung durch Pumpspeicherkraftwerke.
Schuschnig sieht in der aktuellen Benachteiligung im Vergleich zu anderen Bundesländern einen Beleg für die Notwendigkeit einer systemischen Änderung. Er plädiert nun dafür, über österreichweit einheitliche Netzkosten zu verhandeln. Die Diskrepanz zwischen der produktiven Leistung des Landes und den hohen Kosten für die Endverbraucher stehe laut dem Landesrat im Zentrum der Kritik.


