In Waidhofen an der Thaya haben zahlreiche Bürger eine Protestkundgebung abgehalten, um gegen mögliche Schließungen regionaler Kundenservicestellen der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) zu demonstrieren. Auslöser waren Berichte der Zeitung „Krone“ aus dem Juli, wonach die Standorte in Waidhofen, Mödling, Klosterneuburg und Stockerau geschlossen werden sollten. Zwar wurde nach der Bekanntgabe vorerst zurückgerudert, doch die Verunsicherung in der Bevölkerung bleibt groß.
Besonders in der Region Waldviertel wird die Abhängigkeit von physischen Servicestellen betont, da die infrastrukturellen Bedingungen erschwerend wirken. Der Gewerkschafter Andreas Hitz wies darauf hin, dass im Bezirk weder U-Bahnen noch Straßenbahnen oder Züge existieren und auch das Busangebot unzureichend sei. Hitz betonte, dass gerade schwer kranke Menschen auf lokale Mitarbeiter angewiesen seien, wenn jeder zurückgelegte Kilometer eine körperliche Belastung darstellt.
Neben medizinischen Notfällen sind die Standorte für essenzielle administrative Angelegenheiten zentral. Dazu zählen insbesondere die Beantragung von Kranken- oder Kinderbetreuungsgeld, der Papamonat, Mutterschutz sowie Versicherungsänderungen. Zudem werden dort Rezeptgebührenbefreiungen und Wahlarztrechnungen bearbeitet, was für viele Versicherte ohne digitale Alternativen eine Notwendigkeit darstellt.
Die ÖGK reagiert auf die Kritik und die konkreten Fragen zu den Standorten in Niederösterreich bisher zurückhaltend. In einer Anfrage an die „Krone“ gab die Krankenkasse an, dass man an der Weiterentwicklung der Kundenservices arbeite und konkrete Standorte aktuell nicht im Mittelpunkt stünden. Man strebe ein Zusammenspiel von regionalem, persönlichem und digitalem Service an, wobei der Fokus auf den stark nachgefragten digitalen Diensten liege.
Trotz der strategischen Ausrichtung auf Digitalisierung versicherte die ÖGK, dass der persönliche Kundenservice ein wesentlicher Bestandteil des Leistungsangebots bleibe. Konkrete Zusagen zur dauerhaften Erhaltung der gefährdeten Standorte gibt es jedoch nicht. Die Betroffenen im Waldviertel signalisierten hingegen eine kämpferische Haltung und betonten den gesellschaftlichen Zusammenhalt gegen die Pläne.


