Der US-Chipdesigner Marvell Technology übernimmt den Photonik-Spezialisten Lumentum in einer Transaktion mit einem Gesamtwert von 115 Milliarden Dollar inklusive Schulden. Der Deal wird als reiner Aktientausch realisiert, wobei Lumentum-Aktionäre 4,5 Marvell-Aktien pro Anteil erhalten. Dies entspricht einem Wert von rund 1.132 Dollar pro Aktie, was einem Aufschlag von 23,9 Prozent gegenüber dem Kurs vor den ersten Übernahmegerüchten entspricht. Der reine Eigenkapitalwert der Fusion beläuft sich auf 102,5 Milliarden Dollar.
Nach Abschluss der Transaktion werden Marvell-Aktionäre etwa 67 Prozent des fusionierten Unternehmens halten, während die Lumentum-Aktionäre auf 33 Prozent kommen. Die Verwaltungsräte beider Parteien stimmten dem Vorhaben bereits einstimmig zu. Während Matt Murphy weiterhin als Chairman und CEO fungiert, wird Michael Hurlston, der CEO von Lumentum, zusammen mit zwei weiteren Direktorinnen in den Marvell-Board einziehen. Die endgültige Umsetzung wird für die erste Hälfte 2028 erwartet, sofern die Aktionäre und Wettbewerbsbehörden zustimmen.
Die Dimension dieses Geschäfts übertrifft viele bedeutende Tech-Übernahmen der letzten Jahre, wie etwa den Kauf von VMware durch Broadcom für 69 Milliarden Dollar im Jahr 2023. Für Marvell stellt dies den bisher größten Zukauf der Firmengeschichte dar; zuvor war der Erwerb des Optik-Chipherstellers Inphi für 10 Milliarden Dollar im Jahr 2021 der Rekord. Laut Bloomberg handelt es sich gemessen am Eigenkapitalwert um die größte Fusion des aktuellen Jahres, was die strategische Bedeutung der KI-Infrastruktur unterstreicht.
Marvell positioniert sich als zentraler Partner für Hyperscaler bei der Entwicklung maßgeschneiderter KI-Beschleuniger, sogenannten Custom XPUs. Das Unternehmen arbeitet bereits mit Amazon an Trainium-Chips und mit Microsoft an der Maia-Reihe. Zudem besteht ein Vertrag mit Google über ein Volumen von bis zu 120 Milliarden Dollar bis zum Geschäftsjahr 2033. Mit dem Zukauf von Lumentum, das Hochleistungslaser und optische Schaltsysteme produziert, verstärkt Marvell seine Kompetenz in der Verbindungstechnik, für die bis 2031 Umsätze von rund 37,5 Milliarden Dollar angestrebt werden.


