Die Europäische Union arbeitet mit der EUDI-Wallet an einer einheitlichen digitalen Brieftasche, die Ausweise, Führerscheine und rechtsgültige Unterschriften in einer App bündelt. Ziel ist es, digitale Identitätsnachweise europaweit interoperabel zu machen und die Abhängigkeit von nationalen Insellösungen zu verringern. Markus Vesely, CEO des Wiener Vertrauensdiensteanbieters A-Trust, prognostiziert, dass diese Technologie in fünf Jahren so selbstverständlich sein wird wie heute digitale Zahlungen.
In Deutschland wird die Umsetzung unter dem Namen „d-you“ erfolgen, wobei der Starttermin für den 2. Januar 2027 vorgesehen ist. A-Trust agiert hierbei als Launch-Partner und integriert seine Expertise für qualifizierte elektronische Signaturen (QES) in das deutsche Ökosystem. Berechtigten Nutzern wird es ermöglicht, nach der Identifikation über d-you für einen begrenzten Zeitraum kostenlose qualifizierte elektronische Signaturen zu verwenden.
Die Initiative ist ein zentraler Baustein für die digitale Souveränität Europas, da sie auf eigenen rechtlichen und technischen Standards basiert. Während Österreich bereits mit der ID Austria eine etablierte Infrastruktur besitzt, die von über fünf Millionen Menschen genutzt wird, ermöglicht die EUDI-Wallet erst die grenzüberschreitende Anwendung. Nutzer behalten dabei die volle Kontrolle darüber, welche persönlichen Informationen sie für spezifische Vorgänge freigeben.
Trotz des strategischen Fortschritts bleibt die öffentliche Bekanntheit der EUDI-Wallet eine Herausforderung. Laut einer aktuellen Umfrage von A-Trust haben 62 Prozent der Befragten in Österreich noch nie von der europäischen digitalen Brieftasche gehört. Vesely betont, dass letztlich das Vertrauen der Nutzerinnen und Nutzer über den Erfolg des Systems entscheiden wird, um rechtssichere digitale Geschäftsprozesse flächendeckend zu etablieren.


