Der Waldviertler Automobil-Zulieferer Pollmann befindet sich in einem komplexen Sanierungsverfahren, das Anfang September eröffnet wurde. Bei der Prüfungstagsatzung am vergangenen Mittwoch wurden für die drei betroffenen Unternehmen – Pollmann Austria, Pollmann International und Pollmann Werkzeugbau – Forderungen in Höhe von insgesamt 93,9 Millionen Euro angemeldet. Insgesamt 758 Gläubiger haben Ansprüche geltend gemacht, wobei fast 500 dieser Gläubiger Mitarbeiter der Gruppe sind.

Laut dem Kreditschutzverband von 1870 (KSV) konnte die Prüfung dieser Vielzahl an Forderungen durch die Insolvenzverwalter noch nicht abgeschlossen werden. Die endgültige Höhe der zu berücksichtigenden Verbindlichkeiten wird erst im Zuge der Abstimmung über die vorliegenden Sanierungspläne feststehen. Die Unternehmen bieten den Gläubigern derzeit eine Quote von 20 Prozent an, die innerhalb von zwei Jahren nach Annahme des Plans zahlbar wäre.

Trotz der massiven Schuldenlast gibt es operative positive Signale, da alle drei GmbHs seit der Insolvenzeröffnung positiv geführt werden konnten. Dennoch bleibt die finanzielle Lage prekär, da eine dauerhafte Stabilisierung laut KSV nur mithilfe eines externen Investors möglich ist. Bisher konnten die diesbezüglichen Gespräche mit potenziellen Investoren noch nicht finalisiert werden, was die Zukunft der Gruppe unsicher macht.

Aufgrund der noch fehlenden Finanzierungszusage wurden die für den 25. November geplanten Sanierungsplan-Tagsatzungen auf den 20. Jänner 2027 verschoben. KSV-Experte Jürgen Gebauer betonte, dass es nun abzuwarten bleibe, ob ein Investor für die Finanzierung der Pläne gewonnen werden kann. Letztlich werden die betroffenen Gläubiger bei den Tagsatzungen über das weitere Schicksal der Pollmann-Gruppe entscheiden.