Der chinesische Technologieriese Tencent weitet seine Präsenz im Bereich der offenen KI-Modelle massiv aus. Mit der Vorstellung der finalen Version von Hy4 folgt das Unternehmen der Strategie von Alibaba, das mit der Qwen-Familie bereits eine führende Position bei Modellen mit offenen Gewichten besetzt hat. Die Vorschauversion von Hy4, die bereits Ende August verfügbar war, verfügt über 770 Milliarden Parameter, wobei pro Token 49 Milliarden aktiv sind. Damit positioniert sich der WeChat-Konzern in einer Liga mit Start-ups wie DeepSeek, Z.ai und Moonshot.
Die finale Version von Hy4 bringt signifikante funktionale Erweiterungen mit sich. Das Modell kann nun Bilder, Diagramme und Fotos auswerten sowie Computer autonom über die Kommandozeile oder Bildschirmprogramme steuern. Zudem verarbeitet Hy4 bis zu eine Million Tokens gleichzeitig, was der Menge von hunderten Textseiten entspricht. Laut Tencents eigenen Tests konnte die Halluzinationsrate des Modells von 15,76 Prozent auf 5,45 Prozent gesenkt werden, was die Zuverlässigkeit des Systems steigert.
Strategisch zielt Tencent darauf ab, Entwickler an seine eigene Cloud-Plattform TokenHub zu binden, wo Hy4 derzeit für 6 Yuan pro Million Input-Tokens und 18 Yuan pro Million Output-Tokens angeboten wird. Die Vorschau ist unter der kommerziell nutzbaren Apache-2.0-Lizenz auf Hugging Face verfügbar; die Gewichte der finalen Version sollen laut Reuters später zusammen mit Sicherheitsberichten veröffentlicht werden. In Bezug auf Cybersicherheit beschränkte Tencent das Training auf defensive Anwendungen, da das Unternehmen potenzielle Risiken in den Bereichen Cyber und Biologie anerkennt.
Im Vergleich zur Konkurrenz zeigt sich ein gemischtes Bild: Während Hy4 laut internen Tests oft vor DeepSeek V4.1 Flash und GLM 5.3 liegt, bleibt Kimi K3.1 Pro in einigen Bereichen überlegen. Tencent räumt zudem eine „deutliche Lücke“ zu US-Spitzenmodellen ein, insbesondere bei komplexen Mathematikaufgaben. Dies zeigt sich im Terminal Bench 4.0, wo Hy4 mit 44,4 Punkten hinter GPT-6.1 Sol (55,5 Punkte) und Claude Opus 5.5 (66,4 Punkte) liegt. Baidu hingegen bleibt mit seinem Flaggschiff ERNIE 5.1 bei den offenen Modellen zurückhaltender.


