Die KI-Branche erlebt eine massive Verschiebung bei den Nutzerzahlen, angeführt von einem außergewöhnlichen Wachstum bei Claude. Laut aktuellen Schätzungen der Market-Intelligence-Firma Sensor Tower stiegen die monatlich aktiven Nutzer der Claude-App im dritten Quartal 2026 im Vergleich zum Vorjahr um 1.260 Prozent. Trotz dieses Sprints bleibt das Produkt von Anthropic mit einem Anteil von rund 4 Prozent an der Nutzergruppe ein Zwerg im Vergleich zum Marktführer ChatGPT. OpenAI dominiert den Sektor weiterhin mit 1,4 Milliarden monatlichen Nutzern, was einem Zuwachs von 70 Prozent entspricht.

Das steile Wachstum von Claude begann im März in den USA, begünstigt durch eine strategische Werbekampagne zum Super Bowl, welche die Werbung von ChatGPT parodierte. Gleichzeitig profitierte Anthropic von der Partnerschaft zwischen OpenAI und dem US-Kriegsministerium. Die Download-Zahlen spiegeln diesen Trend wider: Im ersten Quartal lagen sie 765 Prozent über dem Vorjahr, im zweiten Quartal um 1.264 Prozent und im dritten Quartal um 891 Prozent. Google Gemini verzeichnete im gleichen Zeitraum ein Wachstum von 166 Prozent und kommt auf 591 Millionen aktive Nutzer.

Ein markanter Unterschied zeigt sich im Nutzungsverhalten der Anwender. Während 56 Prozent der ChatGPT-Nutzer ausschließlich die App verwenden, greifen 73 Prozent der Claude-Nutzer zwischen April und Oktober nur über den Webbrowser auf den Dienst zu. Nur 17 Prozent nutzen Claude ausschließlich per App, was darauf hindeutet, dass reine App-Statistiken die tatsächliche Reichweite von Claude nur teilweise abbilden. Zudem scheint das Tool besonders im beruflichen Kontext beliebt zu sein; fast die Hälfte der US-Nutzer verwendet zudem LinkedIn.

Im Hinblick auf den geplanten Börsengang von Anthropic gewinnen diese Daten für Investoren an Bedeutung. Mit einer geschätzten Bewertung von rund 1,5 Billionen Dollar und einem annualisierten Umsatz von 68 Milliarden Dollar ist die Korrelation zwischen Nutzerzahlen und Quartalsumsätzen mit 0,85 sehr hoch. Die Akquisitionskosten steigen jedoch: Die Werbeausgaben der KI-Assistenten in den USA wuchsen im dritten Quartal um 429 Prozent. OpenAI bleibt mit 54 Prozent aller Werbeausgaben der größte Ausgeber, während Claude 15 Prozent der Summen auf sich entfallen ließ.