Der Aufstieg von Texas zum Epizentrum der Künstlichen Intelligenz könnte durch einen signifikanten politischen Kurswechsel gefährdet sein. Bei den US-Zwischenwahlen besiegte die Demokratin Gina Hinojosa den republikanischen Gouverneur Greg Abbott und ist damit die erste Demokratin an der Spitze des Bundesstaates seit über 30 Jahren. Da Texas laut Wells Fargo für 27 Prozent der geplanten Rechenzentrumsleistung in den USA verantwortlich ist, lösen ihre Pläne eine Erschütterung im KI-Sektor aus.

Hinojosa kündigte im Wahlkampf eine sofortige Pause für neue Rechenzentren an, da diese die Stromtarife in die Höhe treiben und Wasserressourcen aufbrauchen würden. Ihr Programm sieht vor, Genehmigungen bis zur parlamentarischen Regelung zu stoppen, Gemeinden stärker einzubinden und Steuererleichterungen für die Branche zu streichen. Zudem sollen Haushalte vor den Kosten für den Netzausbau geschützt werden, während strengere Vorgaben für den Verbrauch von Wasser und Strom gelten sollen.

Die Finanzmärkte reagierten unmittelbar mit Kursverlusten bei betroffenen Unternehmen. CoreWeave verlor rund 7 Prozent, Iren sank um 6 Prozent und Oracle gab 4,3 Prozent nach. Besonders hart traf es Cipher Mining, das stark vom texanischen Stromnetz abhängt, mit einem Einbruch von 17 Prozent; auch SpaceX verlor rund 7 Prozent. Elon Musk kommentierte die Lage auf X und merkte an, dass Rechenzentren im Weltraum nun „ziemlich verlockend“ aussehn.

Die politische Machtstruktur in Austin hat sich massiv verschoben, was Hinojosas Vorhaben unterstützt. Neben der Gouverneurin gewinnen die Demokraten mit Vikki Goodwin die Vizegouverneurin, die den Senat leitet, sowie Nathan Johnson als Justizminister und James Talarico für den US-Senat. Trotz dieser Gewinne hängt die dauerhafte Gesetzgebung und das Ende der Steuervorteile vom Parlament ab, in dem die Republikaner im Senat noch über eine starke Position verfügen könnten.

Der Trend zu Einschränkungen bei Rechenzentren ist ein nationales Phänomen, wie Semafor berichtet, wobei landesweit mehr als 30 entsprechende Abstimmungen angenommen wurden. Auch neu gewählte demokratische Gouverneure in Georgia und Ohio fordern Baupausen. Laut einer Schätzung von Goldman Sachs könnten solche kurzfristigen Moratorien auf Ebene der Bundesstaaten und Gemeinden insgesamt rund 45 Prozent des geplanten Rechenzentrumsausbaus in den USA betreffen.